16.11.17

Geisterschiffe ohne Crew bald Realität

Artikel vom 11.11.2017

Schifffahrtsforum

Geisterschiffe ohne Crew bald Realität

In Norwegen ist bereits ein vollkommen autonom fahrendes Containerschiff in der Erprobung. Der Trend sei nicht mehr aufzuhalten, heißt es.

Elsfleth Am Thema „Geisterschiffe“ waren am Donnerstagabend zahlreiche maritim orientierte Elsflether und Gäste aus der Region interessiert. Das 16. Elsflether Schifffahrtsforum lotete in der voll besetzten Aula des Fachbereichs Seefahrt und Logistik die Forschung, den aktuellen Stand und die Zukunftschancen autonom agierender, also ohne Besatzung fahrender, ferngesteuerter Schiffe aus.

Für die Referate hatte sich der Verbund der maritimen Vereine Elsfleths hochkarätige Fachleute eingeladen. Zu Gast waren Dipl. Ing. Torsten Schramm (Maritime DNV GL Hamburg), Dipl. Ing. Hans-Christoph Burmeister (Fraunhofer Institut, Center für Maritime Logistik), Prof. Kapitän Ernst Folz (Aerospace Technology HS Bremen); von der Jade-Hochschule referierte Prof. Dr. Ing. Holger Korte. Die Leitung des Abends lag beim Sprecher der fünf maritimen Vereine, Erhard Bülow.

Dass autonom fahrende Schiffe künftig auch auf die nautische Ausbildung in Elsfleth einen Einfluss haben werden, bestätigte der Gastgeber des Forums und Dekan des Fachbereichs, Prof. Dr. Ralf Wandelt: „Das kann für uns eine große Herausforderung werden.“

Führerlose Schifffahrt

„So schnell werden menschliche Wesen von Schiffen nicht verbannt werden“, stellte Torsten Schramm in Aussicht. „Und mit Sicherheit wird man nicht mit Tankern anfangen, autonom zu fahren“. Die Umsetzung der technologischen Entwicklungen sei allerdings bis 2025 möglich. In der Offshore-Technik würden autonome Steuerungen schon seit Jahren praktiziert, so Schramm. Der Trend zu zunächst automatischen Assistenzsystemen sei aber nicht aufzuhalten, war sich Schramm sicher.

Einen großen Schritt in die „führerlose“ Schifffahrt hat bereits der norwegische Düngemittelkonzern YARA mit dem Bau der zu 100 Prozent batteriegetriebenen „Yara Birkeland“ unternommen. 2018 soll dieses erste elektrisch betriebene Containerschiff in Betrieb genommen und ab 2020 vollkommen autonom und emissionsfrei fahren.

Einer der wichtigsten Punkte ist nach Burmeisters Ansicht die Sicherheit der „Geisterschiffe“, sie ebne den Weg für den rechtlichen Rahmen unbemannter Schifffahrt. Zu erwarten seien auch Zwischenstufen, wie beispielsweise eine teilautonome Brücke zur Einsparung von Crewmitgliedern. Die Automatisierung von Schiffen habe bereits seit 1992 mit der GPS-Einführung Eingang in die Schifffahrt genommen, berichtete Holger Korte.

Als ein Beispiel für den „verlängerten Arm des Menschen“ nannte Korte die Entwicklung eines automatischen Messkatamarans (Projekt MJ 2000), den Ozeanologen zur Minensuche entwickelten. Das Schiff wird von einem Leitfahrzeug aus ferngesteuert. Auch bei Rettungseinsätzen könnten autonome Rettungsschiffe bei der Bergung von Personen Zeit einsparen.

Autonome Luftfahrt?

Autonome Mobilität im Bereich der Luftfahrt schloss Kapitän Erich Folz kategorisch aus. „Im Bereich der Automatisierung hat es in den vergangenen 60 Jahren zwar große technische Entwicklungsschübe gegeben“, räumte Folz ein, „auch die A 310 hätte in den 70er Jahren mit einem pilotenfreien Cockpit fliegen können. In der Fliegerei ist die Autonomie aber noch endlos weit weg und sie wird auch nicht angestrebt. Dieses Thema sehe ich extrem skeptisch!“

Zum Abschluss wurde Erhard Bülow der Dank für sein Engagement als Sprecher des Elsflether Schifffahrtsforums ausgesprochen, Bülows Amt übernimmt ab 2018 der Elsflether Andreas Russler.

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